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Der Breslauer Psalter

Summe europäischer Buchkunst

Cambridge, Fitzwilliam Museum, MS 36-1950

Der Breslauer Psalter versetzt den Betrachter durch seinen schier unglaublichen Ausstattungsreichtum in Verzückung: Auf jeder Seite strahlt und funkelt das auf Hochglanz polierte Blattgold, leuchten die Farben und beeindruckt die Vielfalt der Motive. Überall spürt man die Freude am kostbaren Buchschmuck und die Erzähllust der beteiligten Künstler. Entdecken Sie hier eine ganz neue, reiche und beglückende mittelalterliche Bilderwelt, in der verschiedene Einflüsse und Traditionen der europäischen Buchmalerei zusammenkommen und zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Ein einzigartiges Bildprogramm illustriert die 150 Psalmen und die Lobgesänge aus dem Alten Testament. Daneben bleibt viel Raum für spielerische Phantasie. So bevölkern kleine Misch- und Fabelwesen, Tiere, Vögel, Jäger, Musiker und Akrobaten die Ränder der Seiten. Staunen Sie über den wunderbaren Reichtum dieses prachtvollen Psalters!

 

Ein europäisches Kunstwerk

Der um 1265 am schlesischen Herzogshof entstandene Breslauer Psalter steht exemplarisch für die Mobilität der mittelalterlichen Künstler und den kulturellen Austausch zwischen Ost und West, Nord und Süd. Deutsche Schreiber haben den Text geschrieben. Ein aus Padua stammender italienischer Buchmaler, der Meister des Giovanni di Gaibana, hat als Hauptmeister dem goldglänzenden Psalter sein unverkennbar italo-byzantinisches Gepräge verliehen. Nach seinen Vorgaben arbeitete ein ganzes Team von schlesischen Buchmalern. In der von ihnen geschaffenen Bildwelt verbinden sich strahlende Goldhintergründe und östlich inspirierte Kuppeldächer mit dem abendländischen Formenrepertoire. Insular inspiriertes Flechtwerk ist hier ebenso zu finden wie Fleuronnée aus der französischen Buchmalerei.

 

Ein Bild für jeden Psalm

Im Breslauer Psalter sind jeder der 150 Psalmen und die Lobgesänge aus dem Alten Testament mit einem Bild geschmückt. Insgesamt zieren 168 Randbilder auf Goldgrund die Textseiten, manchmal bis zu drei auf einer Seite. Die Bilder sind dabei ganz auf König David ausgerichtet, der im Mittelalter als Autor der Psalmen galt, und vom Inhalt des jeweiligen Psalms inspiriert. Es muss ein hochgebildeter Theologe, vielleicht der herzogliche Hofkaplan in Breslau, gewesen sein, der dieses Bildprogramm zusammengestellt hat, für das es sonst keine Vorlage gibt. Psalm für Psalm hat er sich offenkundig überlegt, welcher Vers am geeignetsten war, die Botschaft des Psalms zu illustrieren. Seine daraus folgenden Anweisungen an die Buchmaler setzten diese mit größter Kunstfertigkeit um.

 

Herzogliches Schaustück

Der Breslauer Psalter ist so kostbar und reich mit Bildern und Gold ausgestattet, dass er im Mittelalter bei passenden Gelegenheiten den Gästen der schlesischen Herzöge am Hof in Breslau als Schaustück präsentiert worden ist. Sein Ausstattungsreichtum, die Betonung böhmischer Heiliger im Kalender und die weiblichen Gebetsformeln lassen Anna von Böhmen (1204–1268) als höfische Auftraggeberin vermuten. Sie war die Witwe Herzog Heinrichs II. von Schlesien. Ihr Sohn Heinrich III. regierte seit 1248 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Władisław das Herzogtum Schlesien-Breslau. Władisław war 1265 zum Studium nach Padua gegangen. Nach seiner Wahl zum Erzbischof von Salzburg nahm er von dort den Gaibana-Meister mit in seine Heimat.

 

Lebensnaher Ausdruck von Gefühlen

Im Breslauer Psalter lassen die Buchmaler ihre Figuren in den Miniaturen und Randbildern auf goldenem Grund, der die göttliche Sphäre symbolisiert, in phantasievollen Architekturen auftreten. Sehr fein sind insbesondere die Gesichter gestaltet, manche davon so individuell, dass sie fast porträthaft wirken. Das Unnahbare, das mitunter in der byzantinisch beeinflussten Buchmalerei anzutreffen ist, findet sich hier nicht. Vielmehr spiegeln sich im Mienenspiel der Gesichter und der Haltung der Körper klar erkennbare Emotionen wider. Auffällig ist, dass die Buchmaler, wenn es darum geht, Gefühle der Trauer und Bestürzung auszudrücken, ein stärkeres Gewicht auf die Darstellung von Empathie und Mitleid legen. Im Detail scheint dabei etwas zutiefst Menschliches auf.

 


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