Editionen

Das Legendarium der Sforza

Biblische Geschichten in strahlenden Farben der Renaissance

Turin, Biblioteca Reale, Ms. Varia 124


Das Neue Testament in außergewöhnlichen Bildern für den Herzog von Mailand

Der prunkliebende Herzog von Mailand Galeazzo Maria Sforza (1444–1476) war bekannt als großer Förderer von Kunst und Musik. Für ihn schuf kein Geringerer als der berühmte Mailänder Buchmaler Cristoforo de Predis im Jahr 1476 in opulenter Ausstattung eine der schönsten Handschriften der italienischen Renaissance.

Dieses ital. »Leggendario« genannte Andachtsbuch illustriert die Geschichten (»Legenden«) von Joachim und Anna, den Eltern der Jungfrau Maria, die Kindheitsgeschichte Marias bis zur Verkündigung, an die sich nahtlos die Erzählung von Leben, Wundern und Passion Jesu bis zum Pfingstereignis anschließt. Auch das Leben Johannes des Täufers ist in meisterhaften Bildern festgehalten. Miniaturen von unerhörter Eindringlichkeit zum Weltgericht am Jüngsten Tag beschließen den Band. Diese Bilderfülle von 324 Miniaturen diente der privaten Andacht und Meditation Galeazzos.

 

Luxuriöse Ausstattung

Die kostbare Ausstattung im Sforza-Legendarium mit strahlendem Gold, Silber und einer erstaunlichen Palette intensiv leuchtender Farben muss ganz dem luxuriösen Geschmack des Fürsten entsprochen haben. Unübertroffen ist die Vielfalt an Szenen aus dem Neuen Testament, die die Heilsgeschichte wie in einem Film abspielen. Dabei sind die Architekturelemente bis hin zu einzelnen Bauwerken und die Mode so eindeutig norditalienisch inspiriert, dass Galeazzo das von ihm beherrschte Herzogtum als Kulisse für die biblischen Geschichten wiedererkannt haben dürfte.

 

Cristoforo de Predis: taubstummer Buchmaler-Virtuose

Der in Mailand taubstumm geborene Cristoforo de Predis (ca. 1440–1486) war seit 1471 als Miniator am Sforza-Hof überaus geschätzt. Mag sein, dass er durch seine Behinderung eine geschärfte Beobachtungsgabe und ein besonderes Gespür für Farben hatte. Neben der Wiedergabe vieler kleiner Details aus dem Leben seiner Zeit zeichnen sich seine Figuren durch eine ausgesprochen lebendige Gestik aus.

 

Lassen Sie sich in das Italien der Renaissance entführen!

Die Kunst Cristoforo de Predis’ ist nicht abstrakte Vision, sondern sorgfältige Beobachtung der Wirklichkeit. Mit der neugierigen Aufmerksamkeit eines Chronisten beobachtet er die Natur, die ihn umgebende Stadt, das Alltagsleben und die Emotionen seiner Mitmenschen. Das Auge des heutigen Betrachters, wie einst das des Herzogs, geht über die sanften Landschaften der Po-Ebene bis zu weiten Horizonten, durch Straßenfluchten und Piazzas in vornehme Bankettsäle und einfache Kammern. Seine Malerei berücksichtigt die Vielfalt der damals verwendeten Baumaterialien wie Ziegel, Stein, Marmor, farbiger Putz und Holz. Intensiv setzt sich Cristoforo mit Lichteffekten in Innenräumen auseinander: welche Wand ist heller oder dunkler, wenn das Licht durch die offene Tür fällt? Auch die noch relativ junge Entdeckung der Zentralperspektive hat bereits ihre Spuren in den Bild-Kompositionen des Sforza-Legendariums hinterlassen.

 

Leuchtende Farben, filigranes Gold

Cristoforos Schöpfungen leben durch die Kombination oft starker Farben, die durch Nuancierungen und feine Filigranarbeiten in Gold noch veredelt werden. Dabei bleiben seine Schöpfungen harmonisch in der Balance zwischen konkreter Wirklichkeit und imaginärem Raum, zwischen Heiligem und Profanem, Aristokratischem und Volkstümlichem.

 

Franco Cosimo Panini – Kooperationspartner des Quaternio Verlags Luzern

Die Herausgabe des Legendariums der Sforza ist der Beginn einer Kooperation zwischen dem Quaternio Verlag Luzern und dem Verlag Franco Cosimo Panini aus Modena, dem Spezialist für Faksimiles italienischer Bilderhandschriften der Renaissance. Mit der Kooperation öffnen sich jetzt auch für deutschsprachige Faksimilefreunde Meisterwerke der italienischen Renaissance, die bisher nur in Italien zugänglich waren. Wir bieten diese Faksimile-Editionen in limitierter Auflage exklusiv für unsere Kunden im deutschsprachigen Raum an, selbstverständlich mit einem deutschsprachigen Kommentarband als Schlüssel zur Handschrift.

 

Zur Bestellung der Dokumentationsmappe

Wollen Sie mehr wissen, oder haben Sie Anregungen?
Wir freuen uns über jeden Kontakt.

 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Legendarium der Sforza 80r

Legendarium der Sforza 95v

Legendarium der Sforza 38v/39r

Das Legendarium der Sforza im Überblick

Turin, Biblioteca Reale, Ms. Varia 124

Entstehungszeit: 1476
Entstehungsort: Mailand
Format: 26,4 × 18,2 cm
Umfang: 316 Seiten (158 Blatt)
Inhalt: Legendarium
Sprache: italienisch
Künstler: Cristoforo de Predis


Provenienz: Das Legendarium wurde im Jahre 1476 von Cristoforo de Predis für Galeazzo Maria Sforza, Herzog von Mailand, geschaffen. Die Handschrift blieb für lange Zeit im Besitz der Familie und ging nach der Gründung der Biblioteca Reale in Turin (1837) in deren Bestand über. Heute gehört das Legendarium der Sforza zu den wertvollsten Stücken der Bibliothek, die sich im Gebäudekomplex des Königlichen Palastes, der ehemaligen Residenz des Hauses Savoyen, befindet.


Die Faksimile-Edition des Legendariums der Sforza erscheint im Herbst 2015 im Quaternio Verlag Luzern.